Schwarze Galle

 

                                           I.

 

I'm dying, Agent Mulder, save my life

vor dieser unausprechlichen Melancholie.

Vielleicht war ich als Kind entführt und nie

fand man die Milz, die schwarze, übergroße,

die periodisch platzt und, ausgereift,

schlüpfen aus ihr gefärbte fremde Kräfte,

die ihre Welt an meine Augen heften,

und dunkle Dinge durch die Netzhaut stoßen.

 

Ich sterbe, Mulder, ohne Ihre Karte,

die mir Gewißheit gibt, Sie zu erreichen

an allen Orten und zu allen Tagen.

Ich weine schwarze Tränen, blind, und warte

auf Ihre schwarzen Augen und ein Zeichen,

daß Sie die gleiche Trauer in sich tragen.

 

 

 

 

 

                 II.

 

Show me your Agent-Mulder-eyes, my heart,

in denen alle Farben sich vereinen

wo grüne Worte sich in rot verneinen

mit tausend Sätzen eng bedruckt, ganz schwarz.

Die Augen, mein Geliebter, und noch mehr:

die Welten, die gespiegelt drin erscheinen

die sich in Schichten, dicht gelagert, reimen

verkompliziert, gefaltet, rund, hart, schwer.

 

Denn all the world's a sign, an mich gesendet;

aus Ihren schwarzen Augen fallen Zeichen

vor meine nackten Füße in den Sand;

ich zieh sie auf ein Band, das niemals endet,

um sie zu deuten, wieder aufzuweichen,

in Phantasie getaucht in meiner hohlen Hand.

 

 

 

 

                 III.

 

Ich fange Sie in meiner Phantasie

auf einer Hängebrücke aus elf Silben

von Zeichen eingekreist, von kleinen, schwarzen, wilden,

über der Tintengischtschlucht. Sie sind ganz allein.

In meinem Paperbackverlies sperr ich Sie ein,

in Wänden aus Papier, die nie vergilben,

um -zärtlich und genau- Sie abzubilden

und Sie zu formen; frei lass ich Sie nie.

 

Ich werde Ihre Augen grünlich färben

und lass Sie Geister, Mörder, Bestien jagen;

erst retten Sie die Welt, dann dürfen Sie mich küssen.

Und dann kann ich in Ihren Armen sterben,

von Ihnen -ganz auf meine Art- geschlagen:

mein Kerkerkopf radiert, gelöscht, zerrissen.

 

 

 

 

                  IV.

 

Unendlich viele Male hab ich Sie beschrieben,

nun möchte ich mich gern mit Ihnen reimen,

mein kleiner Finger reimt mit Ihrem kleinen,

mein Nacken will auf Ihrem Nabel liegen:

 

mein Herz rast: auf den grünen feuchten Wiesen

meiner Seele grast an der langen Leine

meiner wirr verschlungenen Eingeweide

ganz ruhig -voll Genuss- die Kuh der Liebe.

 

Sie frisst mich ab mit unstillbarer Gier

verwandelt sich und rennt dann, als ein Stier,

durch mich hindurch, durch Kehle, Lunge, Rachen,

um in der Magengrubengegend zu verenden,

dort halt ich ihren Kopf in meinen Händen,

sag' armer schwarzer Kater und muss lachen.

 

 

 

 

                                                                                                                                   

 

 

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